Burnout: Warnsignale erkennen und frühzeitig handeln

Sabine Ziegler ist seit Oktober 2024 Chefärztin der Eifelklinik Manderscheid. Beim Frauenforum der Deutschen Rentenversicherung Rheinland referierte sie über das Thema „Burnout bei Mitarbeitenden und bei sich selbst erkennen“. Martina Reinhard traf sie nach der Veranstaltung zum Interview.

Frau Ziegler, was versteht man unter einem Burnout?

Laut dem internationalen Diagnosehandbuch ICD, das in seiner elften Version erstmals den Begriff definiert, ist ein Burnout ein Erschöpfungssyndrom, das aus beruflicher Überlastung entsteht. Fehlt der Ausgleich im Privatleben, kann diese Überlastung nicht kompensiert werden. Manchmal kommen aber sogar zusätzliche Belastungen im privaten Umfeld dazu, wie zum Beispiel die Pflege von Angehörigen.

Wie unterscheiden sich Burnout und Depression?

Während ein Burnout immer mit Überlastung und massiver Erschöpfung einhergeht, kann dies bei der Depression zwar der Fall sein, muss aber nicht.

Wie erkenne ich ein Burnout bei anderen?

Es gibt Anzeichen, die auf ein Burnout hinweisen können: Mitarbeitende häufen auffällig viele Überstunden an, weil sie ihre Arbeit nicht mehr schaffen. Sie ziehen sich immer mehr zurück und sprechen über ihre Arbeit nur noch mit Sarkasmus und manchmal aus einer Opferrolle heraus, das sind nur einige Beispiele.

Sabine Ziegler im Interview
Sabine Ziegler ist seit Oktober 2024 Chefärztin der Eifelklinik Manderscheid.

Wie fühlt sich das für Betroffene an?

Betroffene fühlen sich ständig erschöpft, antriebslos und ohne Lebensfreude. Sie können auch körperliche Symptome entwickeln, wie Tinnitus, Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, oder sie sind infektanfälliger.

Burnout, Stress am Arbeitsplatz, Arbeitsüberlastung – das sind Phänomene, mit denen wir heutzutage täglich konfrontiert sind. Woran liegt das?

Viele Stresssymptome lassen sich durch Bewegung abbauen. Doch das ist heute häufig gar nicht möglich. Wir setzen vielmehr unseren Organismus ständiger Überreizung aus zum Beispiel durch Medien, im Straßenverkehr und so weiter, sitzen dabei aber meist. Irgendwann helfen dann selbst Ruhe- und Erholungszeiten nicht mehr.

Wie lässt sich diese Stressspirale im Arbeitsalltag austricksen?

Indem wir zum Beispiel zwischendurch kleine Pausen machen, mal aufstehen, uns recken und strecken. Und besonders hilfreich sind kurze Atemübungen, zum Beispiel zwei Sekunden länger ausatmen als einatmen. Klingt simpel, bringt aber viel.

Sabine Ziegler, Chefärztin der Eifelklinik Manderscheid

„Gerade in dieser Ausnahmesituation ist die Wertschätzung einer Führungskraft besonders wichtig.“

Sabine Ziegler
Chefärztin der Eifelklinik Manderscheid

Wie soll ich als Führungskraft reagieren, wenn ich vermute, dass eine oder einer meiner Mitarbeitenden von Burnout betroffen ist?

Meine Empfehlung wäre, diesen Eindruck unter vier Augen zu besprechen und dann das, was ich beobachtet habe, auch ehrlich zu benennen. Je offener ich als Führungskraft mit solch einem Verdacht umgehe, desto offener werden mir die Betroffenen meistens begegnen. Ich muss aber auch akzeptieren, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter nicht darüber sprechen möchte. Manchmal braucht es Zeit, bis man sich öffnen kann.

Soll ich eine Kollegin oder einen Kollegen, der oder die depressiv ist oder ein Burnout hat, auf eigenen Wunsch arbeiten lassen, obwohl nicht die volle Leistung erbracht werden kann?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich tendiere dazu, eine Person arbeiten zu lassen, wenn sie es möchte, denn wenn sie sich auch noch ausgeschlossen fühlt, kann das den Zustand verschlimmern. Doch ehrlicherweise muss ich sagen, das kann auch nach hinten losgehen. Belastungen müssen langsam gesteigert werden, man darf der Person nicht zu viel zumuten. Auf keinen Fall sollte man einen Betroffenen oder eine Betroffene aber Tätigkeiten machen lassen, die als degradierend empfunden werden können. Denn gerade in dieser Ausnahmesituation ist die Wertschätzung einer Führungskraft besonders wichtig.

Frau Ziegler, vielen Dank für das Gespräch.

Bildquelle: Titelfoto: Freepik, Fotos: Eifelklinik, Fronholt

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