Berufs­einstieg als Assistenz­arzt in der Reha-Klinik

Die Facharztausbildung in einer Rehabilitationsklinik absolvieren? Das geht! Meist gelingt so der Karrierestart ohne Nachtschichten oder Bereitschaftsdienste, dafür aber mit mehr Zeit für Patientinnen und Patienten.

Viele Absolventen eines Medizinstudiums wählen als Einstieg in die Facharztausbildung eine Akutklinik. Oft sind Nachtschichten, Routinen oder überaus hohe Stressbelastung die Folge – meist mit großem Einfluss auf das Privatleben.

Was viele nicht wissen: Auch Rehakliniken bieten eine Weiterbildung in vielen Fachgebieten wie etwa Orthopädie, Kardiologie, Pneumologie oder in der Neurologie und Allgemeinmedizin an. Die Ärztinnen und Ärzte starten ihre Karriere dort meist mit flexibler Arbeitszeit und fast ohne Bereitschaftsdienste oder Nachtschichten.

Zeit für die Menschen und Teamarbeit mit anderen Fachbereichen

Ein weiterer Vorteil: Patientinnen und Patienten werden in der Rehabilitationsklinik meist länger als in einem Krankenhaus behandelt. Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung haben damit viel mehr Zeit für die Patienten und können sich ein umfassenderes Bild ihres Gesundheitszustandes verschaffen.

Sie bekommen die Möglichkeit, den einzelnen Fall zu verstehen und die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden während ihrer mindestens dreiwöchigen Aufenthalte in der Therapie zu begleiten. Sie lernen die gesamte Komplexität einer Krankheit beziehungsweise einer gesundheitlichen Einschränkung kennen und koordinieren die Behandlung interdisziplinär zum Beispiel mit der psychologischen Abteilung, dem Ernährungsberatungs- oder Pflegeteam.

Assistenzarzt Reha
Was viele nicht wissen: Auch Reha-Kliniken bieten den Einstieg in die Facharztausbildung.
Reha-Ärztin Janet Siedler arbeitet jetzt im öffentlichen Dienst.

"Durch die Arbeit in den verschiedenen Fachdisziplinen, die ich in den ersten Jahren in der Mühlenberg Klinik durchlief, habe ich viele neue Einblicke gewonnen. Ich denke, ich kann sagen, ich habe Rehabilitation kennen und lieben gelernt."

Janet Siedler
Leitende Ärztin der Abteilung Verhaltensmedizinische Orthopädie der Mühlenberg Klinik Bad Malente

Zusatzbezeichnung für Ärzte und Ärztinnen

Aufbauend auf den erworbenen Kenntnissen gibt es in Reha-Kliniken die Möglichkeit, die fachärztliche Zusatzbezeichnung „Rehabilitationswesen“ beziehungsweise „Sozialmedizin“ zu erlangen. Die genauen Formalien sind in den jeweiligen Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern geregelt. Bei Interesse sollten sich Ärztinnen und Ärzte deshalb am besten direkt an ihre zuständige Landesärztekammer wenden. Die Zusatzbezeichnung kann Türen für Spezialisierungen öffnen.

Aber auch ohne Zusatzbezeichnung sind die gesammelten Erfahrungen aus der Zeit in einer Rehabilitationsklinik nicht umsonst. Bei einem späteren Aufstieg zu Oberärztin oder zum Oberarzt zum Beispiel können das vermittelte tiefreichende Fachwissen und die erworbenen Erfahrungen aus der Zeit in der Rehaklinik helfen. So vermittelt die Tätigkeit in der Rehaklinik ein breites, praxisnahes und vor allem interdisziplinäres Wissen, denn die enge Zusammenarbeit mit zum Beispiel Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten, Psychologen sowie Sozialdiensten wird in Reha-Einrichtungen tagtäglich gelebt. Darüber hinaus ermöglichen die Erfahrungen in einer Reha-Klinik einen ganzheitlichen Blick auf Patientinnen und Patienten.

Von der Reha in die Hausarztpraxis? Kein Problem

Auch wer später als Hausärztin oder Hausarzt arbeiten möchte, ist mit einer Facharztweiterbildung in einer Rehaklinik richtig. Denn die Tätigkeit in einer Rehabilitationsklinik kann auf die fachärztliche Ausbildung für Allgemeinmedizin angerechnet werden.

Auch hierzu sollten Interessierte mit der zuständigen Landesärztekammer Kontakt aufnehmen. Gerade die Erfahrungen im Umgang mit multimorbiden Patientinnen und Patienten, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder nach orthopädischen Operationen können bei der zukünftigen Arbeit in einer Hausarztpraxis hilfreich sein. Aber auch die Kenntnisse zu den Themen Rehabilitation und Nachsorge sowie zu sozialmedizinischen Fragestellungen, die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte während ihrer Weiterbildung in einer Rehabilitationseinrichtung sammeln konnten, sprechen für sich.

Ablauf, Dauer und Inhalte der Ausbildung zur Fachärztin und zum Facharzt

Woche 1 bis 4: Viel Zeit für die Einarbeitung!

  • Kennenlernen der neuen Kolleginnen und Kollegen und des interdisziplinären Teams
  • Begleitung bei Visiten
  • Hospitation bei Aufnahme- und Entlassungsgesprächen
  • Erstellen von ersten Therapieplänen unter Anleitung
  • Anleitung der notwendigen Diagnostik z.B. Labor, Spirometrie, Blutdrucktagesprofilen oder internistischen Konsilen

Ab 2. Monat: Viel Zeit für eigene Praxiserfahrung

  • Selbstständige Übernahme von ersten eigenen Patientinnen und Patienten mit Unterstützung der Chef- oder Oberärztin oder Ihres Chef- oder Oberarztes
  • Vertiefung von Diagnose- und Therapieplänen im Rahmen der Facharztausbildung
Stellenangebot Allgemeinmedizin
Stellenangebote gibt es für Allgemeinmediziner nicht nur in Praxen und Kliniken, sondern auch in der Rehabilitation.

3.-6. Monate: Viel Zeit für Vertiefung und Weiterbildung zur Fachärztin oder Facharzt

  • Anleitung zur Erstellung von sozialmedizinischen Leistungsbildern
  • Kontrolle von Aufnahmeuntersuchungen, Erstellung von Diagnosen und Therapieplänen
  • Anleitung zur sozialmedizinischen Beurteilung sowie Indikationsstellung bei Röntgenaufnahmen und Befundung
  • weitreichende Möglichkeit, Patienten mit speziellen Befunden und Problemen im Detail, im Team und mit Vorgesetzten zu besprechen und am Praxisfall zu lernen
  • regelmäßige weiterführende interne Fortbildungen zu ausbildungsrelevanten Themen

Ab 7. Monat: Viel Zeit für Sie und Ihre Patientinnen und Patienten!

  • Der Moment, Patientinnen und Patienten mit ihren individuellen Geschichten in den Mittelpunkt einer wirklich individuellen Therapie zu stellen und nicht nur einer Falldiagnose.
  • selbstständiges Erarbeiten von Therapieplänen und Befunden
  • Übernahme von fachärztlichen Vertretungen
  • Teilnahme als wichtiges Teammitglied an interdisziplinären Besprechungen mit Pflegedienst, ärztlichen Kollegium und Therapieteam
  • regelmäßige fachspezifische interne Weiterbildung
Assistenzarzt Reha
Was viele nicht wissen: Auch Reha-Kliniken bieten den Einstieg in die Facharztausbildung.

Voraussetzungen zur Facharztweiterbildung

  1. Interesse an fachlicher Herausforderung und einer sinnvollen Aufgabe
  2. Interesse an ganzheitlicher und fallspezifischer Therapie in kleinen interdisziplinären Teams
  3. Interesse an einer optimalen Work-Life-Balance mit viel Zeit für Patientinnen und Patienten
  4. Approbation als Ärztin oder Arzt
  5. Deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau C1
Aktuell sind 58 Stellenangebote für Ärzte (m/w/d) verfügbar.